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Freie Presse 07.12.2020 | Mugler testet auf dem Pfaffenberg

Artikel in der Freien Presse über die verschiedenen Aktivitäten mit der Funkanlage auf dem Pfaffenberg.

Schon in der Ausbildung geht es für Lehrlinge der Oberlungwitzer Firma hoch hinaus.

von Markus Pfeifer

HOHENSTEIN-E./OBERLUNGWITZ — Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf einem 40 Meter hohen Mast zu steigen, macht Max Hawlicek nichts aus. „Wir haben gute Ausrüstung, da friert man nicht“, sagt der 16-Jährige, der in der Mugler AG in Oberlungwitz zum Elektroniker für Betriebstechnik
ausgebildet wird. Zum Unternehmen gehört auch die Funkanlage auf dem Pfaffenberg, die unter
anderem für die DVB-T-Versorgung sowie Forschungs- und Testzwecke genutzt wird.
Hier war Ausbilder Conrad Koczielski schon mehrfach mit Max Hawlicek sowie Niklas Werler und Max Zettel im Einsatz. Kürzlich wurden Spezialteile einer Antenne ausgetauscht, nachdem sich gezeigt hatte, dass das bisher genutzte Material Wind und Wetter an dieser Stelle nicht ausreichend getrotzt hatte. „Solche Praxiserfahrungen sind schon eher ein Zusatz in der Ausbildung. Die können wir nur bieten, weil es diese besondere Anlage gibt“, sagt Koczielski. Die Funkanlage wird derzeit erweitert, unter anderem mit Technik zur Kommunikation mit Satelliten.
Bevor die 40 Meter am Mast nach oben geklettert werden, muss genau überlegt werden, welche Materialien und Werkzeuge benötigt werden. Denn wegen eines vergessenen Schraubenschlüssels einmal zusätzlich nach unten und wieder hoch zu steigen, wäre nicht so gut. Für schwere Bauteile kann auf dem Mast ein Flaschenzug genutzt werden. Umfangreiche und regelmäßig geprüfte Sicherungstechnik darf für die Azubis und den Ausbilder nicht fehlen. Sie hängen sich beispielsweise mit besonderer Technik in eine Schiene an der Steigeinrichtung ein. „Es ist vorgeschrieben, dass diese halbjährlich von einem Prüfer kontrolliert wird“, erklärt Koczielski. Ein ruhiges und aufmerksames Arbeiten nicht nur beim Anlegen der Sicherungstechnik sowie viel gegenseitige Achtsamkeit in den Teams der Techniker seien aber sogar noch wichtiger. Die Steigausbildung steht für die Monteure halbjährlich an. Das macht sich bezahlt. Schwere Unfälle gab es laut Koczielski im Unternehmen bisher nicht.

Hin und wieder steigt auch der Firmengründer und heutige Aufsichtsratsvorsitzende, Albrecht Mugler, auf den Funkmast auf dem Pfaffenberg. Er experimentiert gern selbst oder hilft hin und wieder bei der Ausbildung des Nachwuchses. „Ich bin zwar kein Ausbilder, kenne mich aber ganz gut aus“, sagt der promovierte Spezialist schmunzelnd. Mugler ist seit jungen Jahren im Bereich Amateurfunk aktiv. Auf Funk und Übertragung von Informationen basiert sein Unternehmen. „Die Neugier und das Forschen waren und sind wichtige Grundlagen“, sagt Mugler.
Im Sommer hat er ein besonderes Experiment gestartet, bei dem es darum ging, eine Nachrichtenübertragung mit extrem geringer Energieabstrahlung durchzuführen. Mit einer Strahlungsleistung von nur einem Tausendstel Watt wurde auf dem Pfaffenberg eine Nachricht gesendet, die dann in der dreieinhalb Kilometer Luftlinie entfernten Firmenzentrale in Oberlungwitz empfangen wurde. Doch nicht nur dort. Auch aus dem Ort Todmorden in Großbritannien erhielt Mugler eine Rückmeldung für den Empfang der Nachricht. Mit Blick auf die Zukunft und die nächsten Mobilfunkgenerationen seien solche Experimente und Erkenntnisse in Sachen Energieeffizienz
immens wichtig.
Innovationen strebt die Mugler AG auch 30 Jahre nach ihrer Gründung
an. Das Jubiläumsjahr lief nicht so lief wie geplant. Große Festlichkeiten waren aufgrund der Coronapandemie nicht möglich. Ungewöhnliche Herausforderungen waren zu meistern. Aller Voraussicht nach wird 2020 ein weiteres gutes Jahr in der Firmengeschichte.

Mugler AG kann mit vollen Büchern ins kommende Jahr starten

Das Unternehmen plant, errichtet und wartet Telekommunikationsnetze. Zudem realisiert es wirtschaftlich effiziente Telekommunikationslösungen und hat sich seit seiner Gründung
im Jahr 1990 zu einem führenden Dienstleister in der Mobilfunkbranche entwickelt. „Wir haben in diesem Jahr einige Aufträge erhalten, die über mehrere Jahre laufen. Das betrifft sowohl die bekannten Mobilfunk-Netzbetreiber als auch beispielsweise den Behördenfunk“, sagt Hartmut Fiedler, Vorstand der Mugler AG. Gerade im Bereich Service, der Anlagen und Netze pflegt und wartet, gebe es viel zu
tun, da heutzutage jeder bestmöglich erreichbar sein will.

Die Mugler AG hat rund 350 Mitarbeiter, die deutschlandweit unterwegs sind. Neben dem Stammsitz in Oberlungwitz gibt es Standorte in Hannover, Döbeln und Dahlewitz/Berlin. „Da wir weiter wachsen wollen, haben wir im technischen und im kaufmännischen Bereich Stellenangebote. Gute Chancen haben Bewerber mit elektrotechnischen Kenntnissen“, sagt Fiedler. Auch in der noch relativ jungen Festnetzsparte der Firma wird Verstärkung gesucht.

Der Coronapandemie konnte das Unternehmen gut trotzen, obwohl sie etliche gänzlich neue Herausforderungen brachte, gerade weil die Mitarbeiter, die teils aus dem Ausland kommen, viel reisen müssen. „Durch die vielen und sich häufig ändernden Auflagen, zum Beispiel bei Quarantäne, Übernachtungen oder Grenzübertritten, gab es auch bei uns Einschränkungen, die sich beim Umsatz negativ bemerkbar machen“, so Fiedler. Dennoch sei die Auftragslage gut, sodass die Mugler AG mit vollen Büchern und viel Arbeit ins Jahr 2021 starten wird.

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Fotos: Andreas Kretschel